9. Spieltag am 10.04.2016 gegen Kronach I

Als wir noch in der Unterfrankenliga spielten witzelte einmal jemand: „Was haben Kirchgänger und Schachspieler gemeinsam?“ Antwort: „Sie müssen beide Sonntags früh aufstehen“. Seit wir aber gegen Gegner wie den Kronacher SK antreten müssen, werden sich die Kirchgänger eins ins Fäustchen lachen.

Treffpunkt: Feuerwehrhaus Mömbris. Geplante Abfahrt: 7:15 Uhr. Selbst die Kirchgänger schlummern noch. Tatsächliche Abfahrt: 7:25 Uhr. Dieser Plan galt zumindest für Auto Nr. 2 mit Markus, Michael Pfarr, Toni und Jonathan.

Wie man hört seien Michael Stadtmüller, Kevin und Marius mit Auto Nr. 1 zu noch wesentlich früherer Stunde aufgebrochen, da sie Claus noch in Bad Kissingen mitnehmen würden.

Auto Nr. 2 an Auto Nr. 1 (7:45 Uhr): „Wo seid ihr?“

„Wir haben Claus schon abgeholt, haben den größten Teil also schon geschafft, ihr?“

„Ähm, … wir sind gerade an Weibersbrunn vorbei“. Markus geht aufs Gaspedal.

Jonathan war derweil mit einer ganzen Bibliothek von Eröffnungsliteratur angereist und bereitete sich noch ausführlich auf Königsindisch und Slawisch vor. Auch Michael checkte nochmal ein paar Partien seines Gegners, „damit ich kein ganz so schlechtes Gewissen habe“. Er freute sich mit Weiß auf einen Scheveningen-Sizilianer.


Jonathans Eröffnungsbibliothek (jedenfalls ein Teil davon).

 

9:40 Uhr: Völlig pünktlich fährt Auto Nr. 2 in Kronach ein. Die Insassen von Auto Nr. 1 hatten es sich derweil schon bei selbstgebackenen Kuchen gut gehen lassen.
Spielbeginn 10:00 Uhr. Mit einiger Verspätung trat auch die Kaffeemaschine ihren Dienst an. Die entscheidenden Partien konnten beginnen.


Die Partien beginnen!

 

An Brett 1 bekam Michael tatsächlich seinen Scheveningen-Sizilianer aufs Brett. Sein Marke-Eigenbau Aufbau flog ihm dieses Mal aber gehörig um die Ohren. Irgendwie verlor er ewig viele Tempi auf seine Figuren und wurde am Damenflügel überrollt, bevor er die Bauern am Königsflügel auch nur ins Rennen schickte. Relativ bald war klar, wie diese Partie ausgeht.

Auch Claus hatte sich ernstlich auf seinen Gegner vorbereitet. Mit Schwarz wählte er eine spannende Variante mit …a6, …Tb8, …b5, …c5 gegen die Fianchetto-Variante des Königsinders. Im Mittelspiel setzte er in dieser Stellung zu einem großartigen Damenopfer an.

E. Stauch – C. Behl

Weiß spielte gerade 19. Sc4. Es folgte 19. …,bxc3 20. Sxb6, cxb2 21. Tad1, Sxb6

 

Claus beging im weiteren Verlauf in Zeitnot allerdings einige Ungenauigkeiten, worauf der Gegner weiteres Material tauschen konnte. Man einigte sich schließlich auf Remis.

Jonathan freute sich schon auf einen klassischen Königsinder, wurde allerdings durch Grünfeld überrascht. Damit war seine stundenlange Vorbereitung, zumindest für diesen Sonntag, umsonst. Er wählte die Variante mit Lf4. Dies überraschte den Gegner offenbar, überlegte er doch fast eine halbe Stunde lang und entschied sich für …c6. Diese sogenannte Schlechter-Variante ist wohl wirklich etwas schlechter als die Hauptvarianten, wenn auch recht solide. Jonathan hätte später vielleicht nicht die Damen tauschen sollen. Danach war das Spiel relativ ausgeglichen. Sein Gegner erkundigte sich (mit noch ca. einer Minute auf der Uhr) beim Mannschaftsführer, ob er ein Remis anbieten dürfe, kehrte seelenruhig zum Brett zurück … und überschritt prompt die Zeit. Sieg für Mömbris.

Auch Markus spielte die Grünfeldindische Verteidigung und man einigte sich sehr bald auf die Punkteteilung.

Spannender verlief die Partie bei Marius an Brett 5, der in dieser Stellung überraschend zu einem Figurenopfer hätte ansetzen können.

M. Böhl – A. Murmann

Hier wäre 15. Lxh6! nebst 16. d6! und Sf3-h4 nebst De2-f3-g3 überraschend gut gewesen.

 

Durch einen taktischen Fehler, der dann dem Gegner ein Figurenopfer erlaubte, verlor er leider wenig später.

Michael Stadtmüller spielte in einem etwas ungewöhnliches Sizilianer sehr solide und gewann bald einen Bauern. Vielleicht hätte er im Endspiel mit etwas genauerem Spiel (z. B. mit 27. …,Tb2) den vollen Punkt einfahren können, so reichte es nur für den halben Punkt.

Toni spielte einen Königsindischen Angriff und erreichte bald eine sehr vorteilhafte Stellung. Auch er hätte im Mittelspiel gleich an mehreren Stellen durchschlagende Figurenopfer auf g5 oder h6 spielen können, z. B. in dieser Stellung.

T. Kemmerer – W. Lechleitner

Hier hätte 25. Lxh6!, gxh6 26. Shg5+, hxg5 27. Sxg5+ wohl schon das Ende für den schwarzen Monarchen bedeutet.

 

In Zeitnot verlor er leider einen ganzen Turm und musste sich geschlagen geben.

Kevin spielte in der Eröffnung etwas passiv und kam in eine leicht gedrückte Stellung. Im Mittelspiel geriet seine Dame leider am Königsflügel auf Abwege, was ihn eine Figur kostete. Dann war die Aufgabe nicht mehr fern.

Alles in allem verloren wir damit 5,5 – 2,5 in weniger als vier Stunden Spielzeit.

14:49 Uhr: Auto Nr. 2 überholt Auto Nr. 1 auf der Autobahn.

Den folgenden Akt des Bangens und Hoffens habe ich schon auf der Startseite beschrieben.

16:45 Uhr: Auto Nr. 2 erreicht Mömbris, Auto Nr. 1 … irgendwann dann auch…

Text, Bilder und Diagramme: Jonathan Simon