5. Kurz-Open in Buchen vom 09.09.2016 – 11.09.2016

09.09.2016

Bei strahlendem Sonnenschein rüsteten sich Manuel und Jonathan gegen Nachmittag für die Reise in den Odenwald zum diesjährigen 5. Kurz-Open in Buchen. Jonathan spielte damit schon zum vierten Mal in Folge bei diesem Turnier mit. Über abenteuerliche Straßen erreichten wir unser Hotel, in dem ich vor drei Jahren schon einmal nächtigte. An der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass das Doppelzimmer 80 DM pro Nacht kosten würde.
Wie wir in den nächsten beiden Tagen 80 DM auftreiben sollten, war uns zwar schleierhaft, doch mussten wir unsere Grübeleien alsbald hinter den schachlichen Gedankengängen zurückstellen.

Als ich meinen Gegner für die erste Runde zugelost bekam, wusste ich schon, was mir blühte. Bereits vor zwei Jahren traf ich gegen eben jenen Gegner. Ich war also wenig überrascht als er mit 1. g4? eröffnete. Während der Partie versuchte ich mich dann daran zu erinnern, wie unser Zusammentreffen vor zwei Jahren verlaufen war.
Dann fiel mir siedend heiß ein, dass diese Partie Remis ausging! (Der Gegner hatte und hat wohlgemerkt nur 1400 DWZ). Ich hatte damals in klar besserer Stellung zu sehr an meinem Material gehangen und er fand mit einem Trick in eine Schaukel, die ihm Dauerschach sicherte.

M. Nees – J. Simon (Buchen, 2014)

Stellung nach 25. …, Lg4?? Jetzt hat Weiß nach 26. Sgf5+, Kg6 27. Se7+ eine Remisschaukel.
Man beachte, dass Schwarz aktuell einen Turm mehr hat.

 

Dessen eingedenk achtete ich diesmal haargenau auf etwaige Remistricks. Mir gelang ein einfacher Sieg.

Manuel musste an diesem ersten Abend gleich gegen den späteren Turniersieger Axel Moser antreten. Er hielt bis in das Mittelspiel eine ausgeglichene Stellung, kam aber letztendlich am Königsflügel unter Druck und verlor Material, was ihm schließlich die Partie kostete.

10.09.2016

Am Frühstücksbuffet konnte sich Jonathan den Kommentar nicht verkneifen, dass die uns vorgesetzten Brötchen wohl noch mit der, hier offenbar beliebten, D-Mark bezahlt wurden. Mit zwei Gläsern Orangensaft und drei Tassen Kaffee ließen sich diese dennoch verzehren.

Auch in der zweiten Partie bekam Jonathan einen Gegner, den er, der DWZ nach, schalgen musste. Ich entschied mich für einen Königsindischen Angriff. Jedoch war es der Gegner, der alsbald mit …, h5 und …, g5 vorstürmte. Dass dieser Angriff, bei mangelender Entwicklung und nicht rochiertem König, zu früh kommt, zeigte ich relativ souverän.

Manuel kam gegen einen ebenfalls nominell schwächeren Gegner mit Schwarz in einem Spanier etwas passiv aus der Eröffnung. Im Endspiel gelang es ihm schließlich einige Bauern zu gewinnen, was ihm nach 51 Zügen den Sieg sicherte.

Die Doppelsiege hatten Jonathan in der Nachmittagsrunde an Brett 1 katapultiert! Dort traf er mit den weißen Steinen gegen Michael Pfleger (2176 Elo). Nach 1. d4, c5 2. d5, f5!? zeigte sich Jonathan mit der ihm unbekannten Eröffnung leider überfordert und stand alsbald schlechter. Ein inkorrektes Bauernopfer von ihm setzte der Partie ein schnelles Ende.

Manuel spielte in der dritten Runde sicherlich seine interessanteste Partie des Turniers. Gegen einen 1900er kam er nach einer Englischen Eröffnung in Vorteil und konnte sogar einen Bauern gewinnen, den er in Zeitnot allerdings verlor. Das entstandene Endspiel behandelte er auch nicht akkurat genug und verlor schließlich nach über 4 Stunden Spielzeit.

 

Ist diese Stellung noch zu retten?

 

Der Abend endete mit einem Besuch des Schützenmarktes. Nachdem wir aber feststellen mussten, dass das Festzelt bereits hoffnungslos überfüllt war, suchten wir alsbald wieder unser Hotel auf. Die Festzeltgeräusche drangen allerdings bis in unser ca. 2 km entfernt gelegenes Zimmer…

Unbestätigten Gerüchten zu Folge waren in dieser Nacht im heimischen Mömbris-Königshofen noch einige weitere Schachspieler des Clubs in ganz ähnlichen Zelten, bei ganz ähnlicher Stimmung unterwegs… Jonathan drängte Manuel schon zu einem nächtlichen Abstecher in die Heimat, doch nach über vier Stunden Spielzeit ließ dieser nicht mehr mit sich reden. 😉

11.09.2016

Zu unserer Überraschung waren die heutigen Brötchen sonntäglich frisch. Nach dem Frühstückt packten wir also schon wieder unsere Sachen und konnten die Hotelleitung doch noch davon überzeugen, unser Zimmer in Euro zu bezahlen.

Jonathan musste an diesem Morgen gegen den Klingenberger Simon Langer antreten. Wir spielten bereits beim Buchener Open 2014 und in der 1. Runde der Regionalliga Nord-West in der letzten Saison gegeinander. Während ich die Buchener Partie etwas unglücklich verlor (ich übersah im Endspiel ein einfaches Remis), konnte ich die Regionalliga-Partie souverän gewinnen. Simon eröffnete mit 1. Sf3, was mich eigentlich positiv überraschte. Im weiteren Verlauf entstand ein Königsindischer Fianchetto Aufbau, in dem Weiß sehr früh Tb1 und b4 spielte. Leider spielte ich in der Folge nicht akkurat genug, sodass für Weiß ein starker Freibauer auf der c-Linie entstand. Dann fürchtete ich auch noch einen Angriff am Königsflügel und überließ Weiß in einer offenen Stellung das Läuferpaar. Im Endspiel hatte mein Gegner dann einen Bauern mehr, doch ich konnte das Material auf ungleichfarbige Läufer + Turmpaar reduzieren. Tatsächlich bot mir Simon im 40. Zug (!) den Turmtausch an.

S. Langer – J. Simon (Buchen, 2016)

Stellung nach 40. Tc8. Statt 40. …, Txc8?? wäre nach 40. …, e4+! 41. Ke2 und erst jetzt 41. …, Txc8 42. Lxc8+, Ke5 möglich gewesen. Jetzt laufen die weißen Bauern nicht sofort durch und ich bin mir noch nicht sicher, ob Weiß hier gewinnen kann. Er sollte wahrscheinlich mit 43. Lf5!, Kd6 (43. …, gxf5 44. c7) 44. Lxe4 fortsetzen

 

S. Langer – J. Simon (Buchen, 2016)

Stellung nach 44. Lxe4. Trotz der zwei Mehrbauern muss Weiß für den Gewinn zumindest noch arbeiten.

 

Manuel indes gewann realtiv souverän, nachdem sein Gegner im Spanier den Bauern auf e5 zu schnell fraß (es geht der bekannte Trick mit …, Dd4!).
Bei Jonathan kam es Nachmittags zu einem kleinen Missverständis darüber, wann die nächste Runde begann. Bei einem ausgedehnten Gang über den Schützenmarkt konsumierte er noch einige Köstlichkeiten, während sich im Turniersaal bereits die Spieler wieder über ihre Bretter beugten. Doch auch der Zeitvorteil von über 20 Minuten half seinem Gegner nicht viel weiter. Mit einem h3-Königsinder konnte er diesen komplett überspielen (dieselbe Variante führte übrigens auch in der erwähnten Regionalliga-Partie gegen Simon Langer zum Sieg). Manuel verlor gegen Peter Flörchinger, der in Runde Nr. 2 sogar zu einem Remis gegen FM Fabian Englert kam!

Somit ging ein weiteres Schach-Wochenende, mit diesmal relativ durchwachsenen Ergebnissen, zu Ende. Für reichlich Unterhaltung war dennoch gesorgt. Wir können das Turnier in Buchen jedem interessiertem Schachspieler weiterempfehlen.

Zum Schluss wie immer: Alle Partien, Ergebnisse, Tabellen und zahlreiche Impressionen finden sich auf der Turnierseite des Schachclub BG Buchen 1980 e.V.

Hinweis: Leider sind den Partieneingebern in Buchen offenbar ein paar Fehler in der Notation unterlaufen. In der Partie Simon, M. – Moser, A. wurde beispielsweise nicht wie ursprünglich hier berichtet 24. …, Kh8, sondern 24. …, Kg8 gespielt. Die Variante mit dem Damenfang funktioniert dann nicht mehr, denn der Turm auf g6 hängt nach …,Sxg6 nicht mehr mit Schach. Die entsprechende Diagrammstellung wurde entfernt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen. Anbei die berichtigte Notation und der Vergleich der Varianten.

[Event "Buchen 2016"] [Site "Buchen"] [Date "2016.09.09"] [Round "1.8"] [White "Simon, Manuel"] [Black "Moser, Axel"] [Result "0-1"] [ECO "A85"] [WhiteElo "1591"] [BlackElo "2148"] [PlyCount "70"] [EventDate "2016.09.11"] [EventType "swiss"] [EventRounds "5"] [EventCountry "GER"] 1. c4 f5 2. Nc3 Nf6 3. d4 e6 4. Nf3 Bb4 5. Bd2 O-O 6. e3 b6 7. Bd3 Bb7 8. O-O Qe7 9. a3 Bxc3 10. Bxc3 Ne4 11. Bxe4 fxe4 12. Nd2 Qh4 13. Qe2 d6 14. b4 Nd7 15. Rad1 Rf5 16. f3 exf3 17. Nxf3 Qg4 18. Rf2 Raf8 19. Rdf1 Nf6 20. Nd2 Rxf2 21. Qxf2 h5 22. a4 Kh7 23. Nf3 Ne4 24. Qc2 Kg8 ({Hier die ursprüngliche, aber falsche, Variante:} 24... Kh8 25. Be1 c5 26. b5 cxd4 27. exd4 Rf6 28. a5 Rg6 29. h3 $3 {Hier gibt es wundersamer Weise kein Entkommen mehr für die Dame.} Qxh3 (29... Qf4 30. Nh4 Qe3+ 31. Bf2 Nxf2 32. Nxg6+ Kh7 33. Nf8+ $18) (29... Qf5 30. Nh4 Qxf1+ 31. Kxf1 $18) 30. Nh4 Qe3+ (30... Rg4 31. Rf3 Qxf3 32. Nxf3) (30... Rg5 31. Rf8+ Kh7 32. a6 Ba8 33. Rxa8) 31. Bf2 Nxf2 32. Nxg6+ Kh7 33. Nf8+ Kg8 34. Qxf2 $18) 25. Be1 c5 26. b5 cxd4 27. exd4 Rf6 28. a5 Rg6 29. Qe2 ( 29. h3 $2 {hier funktioniert die Variante nicht.} Qxh3 $1 30. Nh4 Qe3+ 31. Bf2 Nxf2 32. Nxg6 Ng4+ {und hier ist es Schwarz, der zuerst Schach gibt.}) (29. a6 $11) 29... Ng5 30. Kh1 Nxf3 31. gxf3 Qxd4 32. Bb4 bxa5 33. Bxa5 Rf6 34. Kg2 Qg4+ 35. Kf2 Bxf3 0-1

 

Text, Bilder, Diagramme: Jonathan Simon