Unterfränkische Einzelmeisterschaft in Bad Königshofen vom 28.03.2016 – 02.04.2016

28.03.2016

Sechs Schachspieler (und eine Spielerfrau) des SC Mömbris traten am 28.03.2016 die lange Autofahrt nach Bad Königshofen an. Die Kleinstadt mit ihren knapp 6.000 Einwohnern ist schon lange als feste Größe im unterfränkischen Schachsport etabliert und stach in den vergangen Jahren besonders durch die Ausrichtung der „kleinen unterfränkischen Schachfestivals“ hervor. Standen bei diesen Events, neben Chess960 und Turniersimultan, Schnell- und Blitzschachmeisterschaften im Vordergrund, ging es in dieser Woche um richtiges Turnierschach mit langen Partien. Obwohl diese, mit der neuen Fischer-Kurz Bedenkzeit, gar nicht mal mehr so lang waren (bis auf eine Partie, die wohl über 100 Züge, aber darum doch nicht viel länger als fünf Stunden, dauerte). Die Frage, ob der Teilnehmereinbruch im Hauptturnier von ehemals über 40 Teilnehmern (sogar 53 in 2013) auf nunmehr nur 16 Teilnehmer, auf die Randlage des Austragungsortes oder auf die Verkürzung der Bedenkzeit zurückzuführen ist, sei den Verantwortlichen zur Diskussion überlassen. Ich jedenfalls hörte durchaus kritische Stimmen von Spielern, die nicht am Turnier teilnahmen.

In diesem Jahr wurde den Spielern die Schilderungen eines Politikers über das königliche Spiel erspart. Meist werden in diesen Reden sowieso nur die Wörter Wissenschaft, Spiel und Kunst auf abenteuerliche Art und Weise miteinander verknüpft, daran angehängt einige Kindheitserinnerungen an eigene Spielversuche des Vortragenden. Neu in diesem Jahr, war allerdings die Ankündigung des Spielleiters, dass alle Handys nicht nur ausgeschaltet werden müssen, sondern sogar in einer extra dafür bereitgestellten Handybox zu deponieren seien. Nach einigem Zögern strömte schließlich der halbe Spielsaal nach vorne, um sich von seinem elektronischen Freund und Helfer in allen Lebenslagen zu trennen. Um derartigen Ballast erleichtert, konnte die erste Runde beginnen.

Markus und Manuel wurden in der M2 sogleich gegeneinander gelost, Markus gewann. Fritz gewann ebenso, während Arnold und Jonathan verloren. Michael remisierte gegen den Jugendspieler Jiuli Chen.

Abends zog es uns, zusammen mit der Fraktion Spessart-Untermain, in die örtliche Gaststätte Schlundhaus. Dort machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem dunklen Urstoff-Bier, welches wir in den folgenden Tagen noch reichlich konsumieren sollten. Die erste Nacht des Berichterstatters verlief dermaßen unruhig (Wachheit von 2:00 Uhr – 5:00 Uhr), dass er sich schon am Brett einschlafen sah, was am Ende aber doch nur Fritz glückte, so munkelt man zumindest… Ein Vorteil der kurzen Bedenkzeit ist dann doch noch zu nennen, nämlich der späte Rundenbeginn. In Stetten noch 6:45 Uhr als Aufstehzeit vereinbart, ging es nun erst um 8:00 Uhr aus den Federn.

29.03.2016

Dieser zweite Tag sollte sich als der erfolgreichste dieser Woche erweisen. Jonathan gewann morgens und remisierte Mittags gegen Johannes Helgert, der seine letzte Partie nur eine halbe Stunde vor der neuen Runde beendete (ein weiterer Nachteil der Fischer-Bedenkzeit!). Markus und Arnold vollbrachten ähnliches (auch 1,5 Punkte), während Manuel seinen ersten, und leider einzigen, Sieg in der M2 gegen Wolfgang Saftenberger feierte. Michael Scholz gewann am Morgen gegen Jürgen Hauck und verlor am Abend gegen Fred Reinl.
Am zweiten Abend verschlug es uns, wieder zusammen mit Stockstadt und Klingenberg, zum Italiener. Dort bekamen wir u. a. geheimnisvolle Blüten vorgesetzt, deren Essbarkeit zunächst in Frage gestellt wurde. Die stark erkältete Kellnerin versicherte allerdings das Gegenteil, worauf Manfred Unkelbach sich traute. Danach sollte er nur noch 1,5 weitere Punkte holen… Auch Jonathan verlor nach diesem Abend zweimal in Folge. Markus hielt noch etwas länger durch, doch auch er sollte bald zur großen Rochade (Dreifachnull) ansetzen.

30.03.2016

Das schöne Wetter ließ auch am kurzen Mittwoch auf sich warten. Bei Jonathan begann nun allerdings das „schlechte Endspiel Syndrom“ einzusetzen. In folgender Stellung wickelte er leider in ein sehr schlechtes Endspiel ab.

 

J. Simon – K. Kraich

Statt mit 18. Txd8, Txd8 19. exf6??, Dxe2 20. Sxe2, Lc5+ 21. Le3, Lxe3+ in ein schlechtes Endspiel abzuwickeln, wäre 18. Le3, Lxc3 19. bxc3, Dc4! (19. …,Txd3 und 19. …,Sd5 sind leicht besser für Weiß) 20. Td2, Dxc3 21. Txd8, Txd8 22. Tc1, Dd3 mit Ausgleich vorzuziehen gewesen.

 

Arnold indessen setzte schon heute, nach durchwachsenem Start, zu seinem Endspurt an und gewann. Er sollte von da an noch alle verbliebenen Partien gewinnen. (Arnold war am Vorabend nicht beim Italiener gewesen…)

Der spielfreie Nachmittag wurde unterschiedlich verbracht. Während sich die ältere Generation für einen ausgedehnten Mittagsschlaf ins Hotel zurückzog, betätigten sich Manuel und Jonathan bei einem 10 km Lauf im Märchenwald äußerst sportlich. Um 19:00 Uhr begann schließlich das Pokerturnier mit insgesamt zwölf Teilnehmern. Dieses konnte, nach mehreren Stunden Spielzeit, Fritz Scholz vor Norbert Kuhn und Hans-Jörg Gies für sich entscheiden. Er gewann fast jede entscheidende Hand durch eine Straße! Somit fiel aber auch das gemeinsame Essen an diesen Abend aus. Manuel und Jonathan verspeisten zusammen mit der spanischen Auswandererkatze Miau (Achtung Insider!) zwei Döner.

 


Fritz hat die bessere Hand.

 

31.03.2016

Am Donnerstagmorgen kam Jonathan einmal mehr aus dieser Stellung in ein schlechtes Endspiel gegen Norbert Lukas.

 

J. Simon – N. Lukas

Auf den ersten Blick sieht de weiße Stellung, ob der Schwächen im schwarzen Lager, recht eindrucksvoll aus. Nach 20. …, c3! 21. Lc1, Lc5 22. Dc2, Dd5 (22. …,Sg4 ist noch stärker) 23. Dxg6, Df5 24. Dxf5, exf5 gewann allerdings Schwarz die Oberhand

 

Markus begann am Abend langsam seine große Rochade (er verlor gegen Klaus Link die Philidor Stellung in einem Turmendspiel), während auch Michael Scholz nicht viel glückte. Manuel verlor am Morgen in denkbar schlechter Manier gegen Gerhard Müller und remisierte am Nachmittag. Jonathan gelang gegen Markus Markert eine schöne Kombination, welcher aus dieser Stellung zu einem inkorrekten Turmopfer in Zeitnot ansetzten.

 

M. Markert – J. Simon

In beiderseitiger Zeitnot folgte 36. Txe5??, Dxe5! 37. Ld4, Txg3+ 38. Kf2 (auf 38. Kf1, folgt 28. …,Txf3+ mit Ablenkung der Dame. Das war die Hauptidee von Schwarz).

M. Markert – J. Simon

Mit nur noch drei Sekunden auf der Uhr spielte ich 38. …,Th3+!! 39. Kg2, Tg7+. Die Pointe, die Dame ist jetzt entfesselt und droht Matt. Aus der Diagrammstellung hat Schwarz noch genau zwei weitere Gewinnzüge. Welche? (Lösung am Ende)

 

Am Abend waren wir wieder Gäste im Schlundhaus, konsumierten reichlich das dunkle Urstoff-Bier und aßen „butterzartes“ Schäufele. Die Nacht des Berichterstatters verlief wieder äußert unruhig, was ihn zur Aufstellung der Urstoff-Theorie veranlasste, wonach dieses Bier für den schlechten Schlaf verantwortlich sei.

01.04.2016

Am nächsten Morgen kam Jonathan in Runde 7 gegen Can Ersöz nach sehr interessanter Eröffnung wieder, wer hätte es gedacht, in ein schlechtes Endspiel. Die Bewertung der folgenden Stellung sei dem geneigten Leser als (schwierige) Übungsaufgabe überlassen (Lösungsansatz am Ende).

 

C. Ersöz – J. Simon

Hier hätte Weiß mit 38. Txf6+ in ein hochgradig kompliziertes Endspiel abwickeln können. Kann sich Schwarz retten?

 

Ersöz entschied sich in Zeitnot für die Wiederholung der Züge mittels Tc7+ und Tc8+ und die Partie endete Remis. Auch in der Nachmittagsrunde kam Jonathan gegen Norbert Kuhn erneut in ein schwer zu spielendes Endspiel und musste sich schließlich geschlagen geben. Markus stellte gegen Robert Link im frühen Mittelspiel die Qualität ein, damit war die Dreifachnull besiegelt. Fritz gewann an diesem Freitag zweimal.

02.04.2016

Am Samstag war für Markus an Aufstieg schon längst nicht mehr zu denken, Arnold katapultierte sich nach seinem letzten Sieg auf Platz 2. Manuel und Michael verloren und müssen im nächsten Jahr wieder im Hauptturnier antreten. Jonathan gab gegen Thomas Vogt nochmal alles. Darauf bedacht, in dieser Partie auf keinen Fall in ein schlechteres Endspiel abzuwickeln, wählte er das Doppelfianchetto-System mit Weiß. Später ergab sich daraus eine klassische Igel-Struktur. Nachdem sich dann der Königsflügel zugeschoben hatte, setzte er zu einem (inkorrekten) Springeropfer an, welches den Weg für seine Bauern ebnete. Danach kamen beide Spieler in hochgradige Zeitnot. In der folgenden Stellung stand Vogt vor einer schwierigen Entscheidung.

 

J. Simon – T. Vogt
Schwarz steht vor einer sehr schwierigen Wahl. Wie soll er 34. Tg2+ beantworten? Soll er 34. …,Kf7, 34. …,Kh7, 34. …,Kh8 oder 34. …,Lg7 spielen? (Hinweis: Ein Zug gewinnt für Schwarz, die anderen scheinen nur zu remisieren; Lösung am Ende.)

 

Damit hatte Jonathan am Ende 4 Punkte vorzuweisen (Plätze 10-15 alle mit 4 Punkten). Leider fehlte ihm ein halber Buchholzpunkt, sodass er nur 15. hinter Can Ersöz und Norbert Lukas wurde, womit auch er den Abstieg nicht vermeiden konnte.
Somit endete unser Aufenthalt in Bad Königshofen nach sechs durchaus erlebnisreichen Tagen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an die Ausrichter und die Turnierleitung für das tadellos durchgeführte Turnier.

Alle Ergebnisse und Tabellen finden sich auf der Seite des Unterfränkischen Schachverbandes.

Alle Partien sollen ebenfalls noch auf der Seite von Bad Königshofen veröffentlicht werden.

Lösungen zu den Diagrammstellungen (pdf):



Text, Bilder und Diagramme: Jonathan Simon.