4. Spieltag am 13.12.2015 gegen Hof I

Sonntag, 13.12.2015 5:00 Uhr. Ganz Bayern schläft. Ganz Bayern? Nein! Im nordwestlichsten Teil des Bezirkes Unterfranken erheben sich sieben Schachspieler aus ihren warmen Betten. Abfahrt 5:30 Uhr. Reichlich utopisch. Als dann schließlich gegen 5:40 Uhr auch der Letzte das heimische Bad verlassen musste, rasten wir zunächst nach Aschaffenburg. Ankunft 6:15 Uhr. Oh je, wir hatten eine Verfrühung von ganzen zwei Minuten, die sicherlich der ein oder andere, na gut, vielleicht auch nur der Eine noch gerne vor dem Spiegel verbracht hätte!

Wohin es ging zu dieser nächtlichen Stunde? Natürlich nach Hof zur 4. Runde der Regionalliga Nord-West! Damit begann um 6:17 Uhr unsere Reise, zunächst nach Bamberg und dann weiter nach Hof. Von richtiger Schachvorfreude konnte zu diesem Zeitpunkt aber noch keine Rede sein, suchte sich doch bald jeder Spieler ein eigenes Abteil, in dem er noch etwas dösen konnte. Verzugsweise mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze. Selbst die (angehenden) Mathematiker stellten ihre Disput alsbald wieder ein. Claus stieß dann in der Nähe von Schweinfurt noch dazu.


Müde Krieger!

 

Gute vier Stunden oder genau zwei Züge später trafen wir am Bahnhof von Hof ein. Michaels bessere Hälfte verabschiedete sich auf den Weihnachtsmarkt, während Michael selbst das Taxi gekonnt ignorierte und zielstrebigen Schrittes in Richtung Spiellokal schritt. Dennoch war der Marsch eine gute Idee gewesen, trieb er uns doch allen die letzte Müdigkeit aus den Knochen. Nach freundlichem Empfang ging es dann pünktlich um 11:00 Uhr los.

Michael P. spielte mit Weiß eine offenen Sizilianer mit langer Rochade und g4-g5, h4-h5. Weiter kamen die Bauern leider nicht, da der Gegner 24. .., d5 stark im Zentrum durchbrechen konnte und gutes Spiel erhielt. Noch vor der Zeitkontrolle musste sich Michael geschlagen geben.

An Brett 2 wählte Claus gegen 1. e4 die Französische Verteidigung. Schon in der Eröffnung konnte Claus zwei Bauern „gewinnen“. Sein Gegner entschloss sich noch eine Figur dazu zu geben. Doch wirkliche Initiative konnte Weiß damit nicht entwickeln. Im Endspiel hatte Claus drei Bauern mehr vorzuweisen (vier gegen einen und jeder noch einen Springer) und gewann souverän.

An Brett 3 gelang es mir gegen das Stonewall System zunächst mit einem soliden Vorteil aus der Eröffnung zu kommen. Allerdings wählte ich dann mal wieder suboptimale Felder für meine Figuren, insbesondere für Türme und Dame und stand, ich wusste gar nicht recht wie mir geschah, auf einmal sehr schlecht. Die Aufgabe war dann leider nicht mehr fern.

Markus erreichte an Brett 4 eine etwas ungewöhnliche Struktur im Sizilianer. Schon in der Eröffnung besaß er Raumvorteil und konnte später die Kontrolle über die wichtige d-Linie gewinnen. Schließlich gewann er erst einen, dann zwei Bauern und erreichte eine technische Gewinnstellung, deren tatsächlicher Gewinn aber noch einige Zeit dauern sollte. Im 44. Zug ließ der Gegner den relativ einfachen Figurengewinn glücklicherweise aus, Markus schob seine Bauern nach vorne und gewann nach spannender Zeitnotschlacht im 61. Zug.


Claus und Markus kurz vor dem Sieg

 

Marius kam diesmal zwar nicht zu einem frühen Remis, am Endergebnis änderte dies aber nichts. Tatsächlich waren nach 18. Zügen schon alle Schwerfiguren abgetauscht und die Stellung sehr remisverdächtig. Der Hofer wollte das Doppelspringerendspiel aber unbedingt ausspielen. Tatsächlich wäre nach dem katastrophalen 39. Sa7?? ein relativer einfacher Gewinn dieses gestrandeten Springers möglich gewesen. Doch vielleicht war auch sein Gegner heute etwas zu spät aufgestanden?! Wir können nur mutmaßen. Jedenfalls ließ dieser den Springer gewähren und man einigte sich nach dem Tausch der Springer auf ein baldiges Remis. Wie man hört, hätte der Schwarze aber am liebsten bis zum nackten König weitergespielt.

Michael St. wurde mit der Sämisch Variante im Königsinder konfrontiert. Er entschied sich für ein Spiel am Königsflügel, wo leider alsbald der Weiße die Initiative übernehmen konnte. Ein Spiel am Damenflügel hatte Michael leider nicht vorzuweisen, worauf er im Mittelspiel unter Druck stand. Ihm gelang es dem Druck standzuhalten und in ein Endspiel Turm + Läufer + 3 Bauern gegen Turm + Springer + 3 Bauern abzuwickeln. Das war eine spannende Sache! Er spielte zeitgleich mit Markus und beide Partien waren wichtig für den Ausgleich. Um kurz nach 16:00 Uhr, nachdem Markus gewonnen hatte, einigte man sich auf Remis.

Toni erreichte nach der Eröffnung eine sehr geschlossene Stellung, die wohl leicht besser für ihn war. Daran änderte sich die ganze Partie nichts. Selbst im 40. Zug hatten beide Parteien noch Dame + Turm + zwei Leichtfiguren und jeweils sieben Bauern. Nachdem kein Weiterkommen mehr ersichtlich war, war es auch hier Zeit Hände zu schütteln.

Ersatzmann Kevin schließlich musste gegen einen relativ jungen Gegner antreten. Er spielte die Drachenvariante und der Gegner entschloss sich zur kurzen Rochade. Der isolierte Bauer auf d6 war dann sicherlich kein schöner Anblick, allerdings auch nicht so leicht anzugreifen. Der Bauer stieß dann nach d5 vor, ging aber im weiteren Verlauf verloren, wonach Kevin wohl schon schlechter stand. Ganz am Ende griff allerdings Weiß nochmal fehl und Kevin hätte wohl eine strategische Gewinnstellung auf dem Brett gehabt, entschloss sich allerdings aus Zeitnotgründen den halben Punkt in den sicheren Hafen zu fahren.


Lebhafte Analyse nach der Partie

 

Damit stand es am Ende 4 – 4. Ein wichtiger erster Punkt in dieser Saison! Michael beendete seine Partie gegen 16:10 Uhr. Der Zug nach Hause fuhr allerdings schon um 16:37 Uhr. Einigen verwunderte Anwohner werden dann wohl leicht amüsiert acht Schachspieler (und einen Rollkoffer mit Schachbrett) durch Hof hechten sehen. Der Rollkoffer flog teilweise mehr hinter Michael her, als dass er rollte :D. Auch Carmen musste fluchtartig und schweren Herzens den Glühweinstand verlassen. Schon wieder waren wir ganze zwei Minuten zu früh, da ertönte schon die Lautsprecheransage, dass unser Zug leider heute eine Verspätung von zwanzig Minuten habe. Damit wurden nicht nur unsere Nerven, sondern auch unser gesamter Zeitplan auf die Probe gestellt. Im Zug wurde dann entweder analysiert oder Quizduell gespielt oder die Korken bzw. die Dosen knallen lassen.

Glückliche Heimfahrer

 

Lasst die Cola Dosen knallen!

 

Der Anschlusszug wurde dann leider knapp verpasst. Nach einem „Fast-Ausstieg“ (d. h. wir waren kurz auf dem Bahnsteig, aber noch bevor der Zug weiterfuhr doch wieder im Zug), erreichten wir dennoch einen anderen Zug in Würzburg. Gegen viertel vor zehn trafen wir dann wieder recht müde in Aschaffenburg ein. Auch das verloren geglaubte Parkticket tauchte wieder auf, worauf alles einen guten Abschluss fand.

Text: Jonathan Simon     Bilder: Toni Kemmerer und Jonathan Simon