Unterfränkische Einzelmeisterschaft in Stetten vom 06.04.2015 – 11.04.2015

– Aus dem Schachtagebuch von Jonathan Simon –

1. Tag, 06.04.2015:

Um ca. 11 Uhr fuhren Manuel und ich zusammen mit Michael Pfarr nach Stetten. Dort angekommen, bezogen wir zunächst unsere großzügig eingerichteten Zimmer in der Weinstube Schwalbennest in Mühlbach. Auch der kurzentschlossene Michael bekam noch ein Zimmer.

 

Unser Quartier für die nächsten Tage – Die Weinstube Schwalbennest.

 

Am Spielsaal eingetroffen, stachen mir sofort mehrere illustrierte Landkarten, Fotomontagen und -alben ins Auge. Anscheinend konnte sich Stetten nicht nur seiner Schachspieler, sondern auch seiner Fotografen rühmen.

Nach ein paar längeren und auch kürzeren Reden („Grüß Gott“ – Jürgen Müller) ging es um Punkt 14:00 Uhr schon los. Mein erster Gegner wurde Reiner Köhler vom TSV 1895 Karlburg.

Die Weinprinzessin Anna-Lena Mehling loste die Farbe Weiß für den Spitzenspieler. Da ich an Brett sechs spielte, musste ich mich also mit den schwarzen Steinen zufrieden geben. Spätestens jetzt wurde mir klar, woher die Stettener ihre unzähligen Fotografien nahmen. Wie die Heuschrecken über Ägypten fielen die Fotografen über uns Schachspieler her! Manch einer wird sich wohl schon wie ein ganz Großer gefühlt haben. Doch die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Zahlreiche Impressionen finden sich auf der Homepage von Stetten.

Zurück zu den Partien: Durch das aggressive wie unvorsichtige 7. g4?! meines Gegners gelang es mir recht schnell erst einen, dann zwei Bauern zu gewinnen. Der erste volle Punkt war damit nicht mehr fern.

Unsere anderen beiden M II-Spieler hatten nicht so viel Glück, wurden sie doch gleich zu Beginn gegeneinander gelost. Am Ende zog Arnold den kürzeren. In der M I hatte Michael derweil das Vergnügen gegen den Favoriten und späteren Turniersieger Fabian Englert antreten zu dürfen. Nach beiderseitigen sizilianischen Flügelstürmen unterlief Michael im 41.(!) Zug mit 41. Le2?? ein schrecklicher Fehler, der ihm nicht nur einen Bauern, sondern auch gleich die ganze Partie kostete. Manuel gelang es (unter Mithilfe des Gegners) Freibauern auf der e- und f-Linie zu bilden, die letztendlich die Partie entschieden.

2. Tag, 07.04.2015:

Als Aufstehzeit vereinbarte ich mit Manuel 6:45 Uhr. Um 7:00 Uhr trafen wir uns mit Arnold und Michael P. zum Frühstück in der Weinstube. Diese machte ihrem Namen mit Sekt- und Rotweingelee alle Ehre. Der reichliche Konsum dieser Köstlichkeit brachte mich hochmotiviert zurück ans Brett. Heute Morgen musste ich gegen Marco Meyer antreten. Bereits bei meiner ersten Unterfränkischen in Obernau 2009 brannte unser Brett lichterloh. Ich hatte zwischenzeitlich zwei Figuren mehr und musste (?!) diese wieder zurückgeben. Zu allem Überfluss stellte ich am Ende noch meinen Läufer ein, konnte die Partie aber irgendwie noch ins Remis retten. Jürgen Müller bemerkte damals: „Von euch will aber heute keiner gewinnen…“. Dessen eingedenk wählte ich diesmal mit Weiß eine Eröffnung, in der ich mich auskannte, den Jussupow-Aufbau mit b3, d4, e3, Lb2, Sbd2, Sf3 (ich taufte diese Eröffnung so, weil A. Jussupow diesen Aufbau in „Tigersprung auf DWZ 2.100“ empfiehlt). Mich traf der Schlag, als Meyer im 15. Zug groß rochierte. So hatte gegen mich noch keiner gespielt! Ich hätte gut daran getan seinen Königsflügelbauern etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Alsbald erstürmten sie meine mit 12. f4?! geschwächte Rochadestellung. Als Meyer dann seinen Springer opferte um die h-Linie zu öffnen, schlug ich getreu nach dem Motto „Ein Opfer widerlegt man durch seine Annahme“ zu.

J. Simon – M. Meyer

Es folgte 18. …, g5! und nach 19. h3 einfach …, gxf4! Ein starkes Springeropfer!

 

Nur zwei Züge später sah ich meinen Irrtum ein und opferte meinen Springer zurück. Doch es half alles nichts. Mein Angriff am Damenflügel war noch nicht richtig ins Rollen geraten, da geriet mein Königsflügel schon völlig unter die Räder. Nach einer forcierten Sequenz verlor ich einen Turm und musste mich geschlagen geben. Der Rotweingelee war schuld, oder doch nicht…?!

Michael Scholz remisierte mit einer von mir vorgeschlagenen Variante mit Weiß im Grünfeld-Inder gegen Hans-Martin Röder. Manuel gelang es nicht seinen massiven Entwicklungsvorsprung gegen Jiuli Chen zu verwerten (z. B. mit 14. …,Tc8) und stellte schließlich im 21. Zug seine Dame ein… Michael Pfarr verlor erneut in einem c3-Sizilianer gegen Josef Krauß.

Die erste Runde dieses Tages verlief nicht gerade berauschend. Geknickt von meiner Niederlage kam ich auch am Abend gegen den Remiskönig Andreas Deißenberger (8 Remis aus 9 Partien) nicht über ein – wer hätte es gedacht – Remis hinaus.

Michael P. indes gelang nach hartem Kampf im Figurenendspiel sein erster Sieg gegen Jiaoji Chen, dem Underdog in der M I (1689 DWZ).

Michael Scholz schaffte es nicht seinen Materialvorteil (Läufer für zwei Bauern) gegen Thomas Drewes zu verwerten und musste am Ende ein Remis auf seinem Partieformular notieren. Arnold verlor gegen das starke Nachwuchstalent von Schweinfurt, Simon Li (11 Jahre).

Fritz erreichte im Hauptturnier gegen den favorisierten Stefan Blank ein sehr interessantes Springerendspiel. Durch ein Bauernopfer hätte er beträchtliches Gegenspiel erhalten. Leider gelang es unserem Fritz nicht das Remis zu halten.

F. Scholz – S. Blank

Mit 47. f4! (oder 47. h4!), hätte sich Fritz das nötige Gegenspiel sichern können.

 

Abends stärkten wir uns mit einer scharfen Pizza Diabolo in der Gaststätte von nebenan.

3. Tag, 08.04.2015:

Die erste Doppelrunde war geschafft, heute hieß es kämpfen und verschnaufen. Erneut konnte ich am Frühstückstisch nicht meine Finger vom Rotweingelee lassen. Erneut lief es nicht wie ich wollte, denn ich wurde mit meinem Eröffnungsexperiment gegen Thomas Heller (1. d4, d5, 2. Sc3!?) nicht wirklich glücklich. Zum Glück gelang es mir im 18. Zug einen Nachschlag in Form seiner Dame zu mir zu nehmen.

Michael P., der sicherlich schon von Läufer- und Springeropfern auf b5 träumte, bekam gegen Klaus Link zwar leider nicht die Schwesnikow-Variante aufs Brett, aber durchaus eine vorteilhafte Bauernstruktur. Das Qualitätsopfer von Klaus brachte ihm nicht genug Gegenspiel, wonach Michael nur auf ein mögliches Dauerschach achten musste. Er ließ keines zu und gewann auch diese Partie.

Michael S. verlor in einer zwischenzeitlich hochtaktischen Partie gegen Norbert Lukas, während Arnold der Sieg gegen Reiner Köhler glückte. Manuel und Fritz remisierten heute beide.

Kämpferisch war der Vormittag für mich also nicht gerade verlaufen, verschnaufen hieß es trotzdem. Manuel und ich nutzten das sonnige Mittwochnachmittagswetter für den „Aufstieg“ auf die Karlsburg, auf der wir auch den ein oder anderen Schachspieler trafen.

 

Die idyllisch gelegene Ruine der Karlsburg

 

Derart erholt verschlug es uns an diesem Abend in die Karlstadter Altstadt ins Bistro Michel. Erneut waren wir nicht die einzigen Schachspieler, die zugegen waren. Bei Rinderroulade und Schweinelendchen ließen wir es uns gut gehen.

Die allabendliche Vorbereitung auf den nächsten Gegner durfte natürlich auch heute nicht fehlen! Dieser hieß in meinem Fall Thomas Drewes. Klaus Link riet mir noch zu dynamischen Spiel, zu welcher Eröffnung konnte ich also greifen…?

4. Tag, 09.04.2015:

Richtig, zu Benoni! Natürlich durfte ich bei solch einer Vorgehensweise meinem Körper nicht dem Entzug des mittlerweile liebgewonnenen Weingelees aussetzen, welches ich auch an diesem Morgen mit großem Genuss konsumierte.

Am Brett setzte ich nach 1. d4 sofort mit 1. …,c5 fort. Zum Glück für mich hatte Drewes den thematischen Vorstoß …b5 nicht unter Kontrolle, sodass meine Bauern alsbald über den Damenflügel rollten. Derart unter Druck konnte er nur noch verteidigen. Ein Springeropfer, das er ablehnte, ebnete meinen Bauern den Weg nach vorne.

T. Drewes – J. Simon

Es folgte 29. …, Sxc3!, 30. Txa5, Txa5 31. Txa5, Dc7

 

Mein b-Bauer war nun schon gefährlich nahe an seiner Grundreihe. Nach einigen Abtauschen kam ihm der c-Bauer zu Hilfe, räumte den weißen Bauer b2 aus dem Weg und ermöglichte somit die Umwandlung meines Bauern in eine zweite Dame. Am Schluss gelang es mir sogar den Zug 48. Dgf2+ zu notieren. Zwei Damen konnten auf f2 ziehen! Aus diesem Mattnetz fand sein König kein Entkommen mehr.

Michael P. remisierte in der M I relativ zügig gegen Matthias Basel. Auch Arnold kam gegen Andreas Deißenberger nicht über dessen Lieblingsergebnis hinaus. Manuel spielte gut gegen Frank Stolcz vom SK 1929 Mainaschaff. Er gewann im Mittelspiel eine Figur, schaffte es dann aber nicht das Doppelturmendspiel für sich zu entscheiden, da er durch einen taktischen Trick im 61. Zug seinen Springer wieder hergeben musste. Sein c-Bauer rannte Richtung Umwandlungsfeld, der f-Bauer seines Gegners aber auch! Schließlich musste Manuel seinen Turm den Heldentod sterben lassen, um den übermütigen Bauern zu stoppen. Ähnlich erging es seinem Gegenüber, sodass die Partie letztendlich Remis endete.

Auf ging’s zur Nachmittagsrunde! Endlich in den vorderen Reihen (an die Live Bretter) zurückgekehrt, wurde mir diesmal der Startranglistenerste zugelost: Hans-Martin Röder. Laut Michael P. ein echter 2.000er (Michael und ich stellten eine Theorie über „echte“ und „unechte“ 1800er / 1900er / 2000er usw. auf). Ich wählte einen sehr verhaltenen Aufbau mit c3, d4, e3, drückte schließlich e4 durch und dachte kurz alles unter Kontrolle zu haben. Doch Röder, stets um taktische Verwicklungen bemüht, schaffte es auch diesmal Leben in die Stellung zu bringen. Ich wählte eine ruhige Abwicklung, wonach sich ein leicht besseres Endspiel für Schwarz ergab (Röder blieb das Läuferpaar). Dann schaffte ich es dank einer kleinen Ungenauigkeit meines Gegners (21. …,Tab8) meinen verbleibenden Läufer effektvoll umzugruppieren. Danach meinte Röder, er sei mit einem Remis einverstanden. Schnell schlug ich ein!

Michael S. bekam gegen Jaro Neubauer heute Nachmittag ebenfalls die Benoni Eröffnung vorgesetzt. Auch hier lief der schwarze b-Bauer bis nach b2, wurde aber dann von Michaels König abgeholt. Er selbst ließ seinen Bauern Richtung Umwandlungsfeld rennen. Währenddessen jonglierte Neubauer mit seinen Springern. Verwundert muss er geschaut haben, also eines seiner Rösser plötzlich kein Rückzugsfeld mehr hatte, Michael gewann.

Nach dem schnellen Remis vom Vormittag war Michael P. in der M I wieder richtig in Kämpferlaune. Gegen den Stettener Florian Amtmann kam die scharfe Königsindische Verteidigung (klassische Variante mit 9. Se1) aufs Brett. Michael wählte das am Brett gefundene Manöver …Tf6-g6 und stieß seinen g-Bauer bis g3 vor (von wo er schließlich auch noch den Bauern h2 schlug). Die Stellung war total gewonnen für Michael! Zwischenzeitlich Matt in 11.

F. Amtmann – M. Pfarr

Hier hätte 30. …,Ta2! sofort gewonnen. Weiß kann quasi gar nicht mehr ziehen

 

In Zeitnot fand er die besten Züge nicht, sondern beging mit 30. …,Df4? und 33. …,Ta2? mehrere Ungenauigkeiten, wonach sich Amtmann noch ins Remis retten konnte. Manuel, wahrscheinlich noch geschockt vom morgendlichen Einsteller, ließ sich gegen Josef Buchberger leider mattsetzen.

An diesem Abend zog es uns, nach ein paar verrückten 1-Minute Blitzpartien, einmal mehr in die Gaststätte von nebenan. Der inzwischen Stammgast gewordene Gunter Beyersdorf vom SC Bad Königshofen gesellte sich wieder zu uns. Irgendwie wurde es jeden Tag später…

Am Hotel angekommen, bereitete ich mich noch auf Can Ersöz vor. Er spielte den Grand-Prix Angriff, ich war vorbereitet!

5. Tag, 10.04.2015:

Das war auch gut so, ungefähr bis zum 15. Zug war ich noch in der Vorbereitung. Im 16. Zug unterlief mir aber gleich eine Ungenauigkeit, die zwar nichts verdarb, aber eine erste große Chance auf Vorteil ausließ. Danach gelang es mir seinen König zunehmend unter Druck zu setzen, doch Ersöz hielt stand und konnte einige Figuren tauschen, wonach ich sogar fast noch in Nachteil geriet. In Zeitnot fand er die nötigen Züge allerdings nicht, ich tauschte jetzt willig alles ab und es entstand ein vollkommen gleiches Endspiel, das bald mit dem Remisschluss besiegelt wurde.

Michael P. gelang an diesem Morgen ein schöner Sieg gegen Markus Markert. Mit Weiß opferte Michael in einer Tarrasch Verteidigung (Französisch) einen Bauern. Er beherrschte die Theorie allerdings besser als Markert. Die weißen Figuren erreichten perfekte Koordination und ihm gelang ein durchschlagender Angriff, wofür er sogar den Preis der „Partie des Tages“ gewann.

Manuel setzte derweil zu seinem Endspurt an und gewann gegen Udo Rachor vom TSV Karlburg. Fritz gelang mit seiner Aljechin Eröffnung ebenfalls ein Sieg gegen Gregor Blum.

Am Nachmittag ging es endlich ganz hoch hinaus, und zwar gleich für mehrere von uns! Ich musste gegen den mit 5,5 Punkte Führenden Lutz Müller antreten. Michael P. hatte das Vergnügen mit Schwarz gegen FM Harald Golda zu spielen. Nach meinem nicht ganz erfolgreichen Angriff von heute früh, war ich jetzt erst recht in Angriffsstimmung. Mein Gegner wählte die Königsindische Verteidigung, ich lenkte die Partie mit 7. e3 in einen etwas ruhigeren Aufbau. Und es zahlte sich aus! Nach meinem provozierenden 14. h4!? konnte Müller nicht länger an sich halten und stürmte mit …f5 und …e5 kraftvoll nach vorne. Derweil gelang es mir einen starken Springer auf d6 zu festigen und schließlich die d-Linie komplett zu erobern. Müller gab einen Bauern, erhielt aber nicht das erhoffte Spiel. Da er in Zeitnot war, entschloss ich mich, ich muss es zugeben, zu einem nicht ganz korrekten Springeropfer (schon wieder! In drei von neun Partien gab es bei mir Springeropfer!). Zum Glück für mich fand er nicht die korrekte Verteidigung und musste sich im 42. Zug geschlagen geben. Mit diesem Sieg war ich an die Spitze der Tabelle aufgerückt!

Derweil in der M I: Nach 14. Sg5?, Sb6! gewann Michael gegen Harald Golda schon der Eröffnung einen Bauern und tauschte den schwarzfeldrigen Läufer (gegen einen Springer). Golda stürmte daraufhin mit seinen Königsflügelbauern in Richtung Michaels König. Nach dem irritierenden 19. Se4! schaffte es Michael in starker Zeitnot nicht den ganzen Punkt zu sichern, sondern musste sich mit Remis zufrieden geben. Trotzdem ein sehr gutes Resultat!

FM H. Golda – M. Pfarr

19. Se4! stiftete kräftig Verwirrung

 

Manuel gewann im Hauptturnier zum zweiten Mal in Folge, erhöhte sein Punktekonto somit auf fünf Punkte und rückte auf den neunten Platz auf.

6. Tag, 11.04.2015:

Erstaunlich schnell ging diese Woche zu Ende. Zum letzten Mal genossen wir unser reichhaltiges Frühstücksbuffet, packten unsere Sachen und fuhren zum Spielsaal.

Für Michael Scholz, Fritz Scholz sowie Michael P. ging es um nichts mehr. Weder Aufstieg noch Abstieg lagen im Bereich des Möglichen. Bei mir und Manuel sah das noch anders aus. Manuel benötigte einen vollen Punkt für den Aufstieg, mir reichte ein halber. Oder doch auf Sieg spielen für den möglichen Turniersieg?! Lutz Müller und ich hatten jetzt beide 5,5 Punkte. Mein Gegner (Simon Li vom SK Schweinfurt 2000, 5 Punkte) benötigte allerdings ebenfalls noch einen ganzen Punkt für den Aufstieg. Würde er um jeden Preis spielen wollen? Eigentlich rechnete ich damit, spielte den beschleunigten Drachen und bot im 10. Remis. Wider erwarten nahm Simon an. Die Verlustgefahr war ihm zu groß (ich hatte ca. 4 Monate zuvor beim 3. Wittelsbacher Weihnachtsopen in Kehlheim gegen ihn gewonnen).

Damit war ich also sicher unter den ersten drei. Zum Turniersieg verhalf mir dann Jaro Neubauer, der gegen den, vielleicht angeschlagenen Lutz Müller, gewann. Damit hatte Neubauer zwar auch 6 Punkte, aber sicher die schlechtere Buchholz-Wertung. An Brett drei duellierten sich Thomas Drewes (4,5 Punkte) und Lukas Norbert (5 Punkte). Alles sah danach aus, als gäbe es nur zwei mögliche Ergebnisse. Weiß gewinnt oder remisiert. Beides wäre sehr günstig für mich, dann müsste ich nicht mehr bangen. Doch dann, der Schock! Drewes beging mit 67. Kh3?? den katastrophalen Fehler, der ihm nach 67. …, Df3+ 68. Dg3, Dh1+ gleich die gesamte Partie kostete.

T. Drewes – N. Lukas

Nach 67. Kh3??, Df3+ 68. Dg3, Dh1+ 69. Dh2, Dxh2+ ist alles vorbei.

 

Jetzt gab es also drei Spieler mit sechs Punkten, wobei Neubauer ziemlich sicher hinter mir war.

Ich kannte das Endergebnis noch gar nicht, da erreichten mich schon Glückwünsche per SMS 🙂 Spätestens jetzt war mir klar, ich hatte es geschafft! Aber denkbar knapp, wie sich herausstellen sollte. Ich gewann nur durch die etwas bessere Punkt-Summe Wertung vor Norbert Lukas. Überglückglich nahm ich meinen Pokal (und mein Preisgeld) entgegen.

Bei Arnold ging es ebenfalls noch um etwas, allerdings um die Vermeidung des Abstiegs. Er musste gegen Elmar Gottfried gewinnen. Alles sah gut aus. Arnold festigte einen Springer auf c6 und besaß sehr aktives Figurenspiel, geriet dann aber zunehmend in Zeitnot und verlor nach einigen Ungenauigkeiten. Leider war damit der Abstieg beschlossene Sache.

Michael Pfarr verlor relativ unspektakulär aus der Eröffnung heraus gegen das Geburtstagskind Jana Schneider. Nach einem Rechenfehler in einer mehrzügigen Kombination, der ihm eine Figur kostete, blieb ihm nichts als die Aufgabe. Ein schönes Geburtstagsgeschenk!

Auch Manuel gab nochmal alles. Leider „opferte“ er im 17. Zug gegen Martin Herberich die Dame für nur zwei Läufer. Doch auch dieser war in „Schenkerlaune“, denn er gab ihm die Qualität gerade noch hinterher. Jetzt war die Materialverteilung schon spannender. Ins eigene Schwert lief Herberich allerdings erst mit 24. g3?, das die weißen Felder um den entblößten König entscheidend schwächte. Manuel aktivierte seine Türme und konnte Mattdrohungen aufstellen, denen der Gegner letztendlich nicht gewachsen war. In der nachfolgenden Analyse fand Norbert Kuhn die verblüffende Rettung für Weiß. Er konnte Material zurückgeben und in ein Turmendspiel abwickeln, das keineswegs elementar für Schwarz gewonnen war. Doch Manuel hatte Glück, holte seinen dritten Punkt in Folge, und schloss das Turnier als vierter (Aufstieg!) ab.

An dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an alle Organisatoren und Helfer von Stetten, dem Bezirksspielleiter Hans-Jörg Gieß, dem Schiedsrichter Jürgen Müller und nicht zuletzt allen Teilnehmern für diese gelungene Meisterschaft.

 

Alle Partien gibt es übrigens auf der Homepage von Stetten zum downloaden.